Die neuen Prinzipalstücke in der Johanniskirche

Prinzipalstücke für die Johanniskirche

von Zamel Krug, Architekten

Mit der Sanierung und Modernisierung der Johanniskirche war auch der Auftrag für die Neugestaltung der Prinzipalstücke verbunden. Diese sollten an das schlichte gestalterische Prinzip des Innenraums angepasst werden.

Zu den Prinzipalstücken eines liturgischen Gottesdienstraums gehören Kanzel bzw. Lesepult, Taufbecken und der Altar. Für die Johanniskirche in Hagen wurden ein neuer Altar, Lesepult (Ambo), Halter für die Osterkerze und das zentrale Kreuz entworfen.

Der Altar ist in Form eines seitlich geschlossenen Tischs gestaltet. Sichtbar ist ein massiver Holzteil aus Eiche, der auf einer Unterkonstruktion aus schwarzbraun patinierten Messingplatten ruht. Das gewachsene Holz aus heimischen Wäldern steht einerseits für Lebendigkeit und Beständigkeit, der Unterbau aus massivem Metall soll die Verbindung zur Erde symbolisieren. Gleichzeitig stellen beide Materialien lokale Bezüge her: Die Stadt Hagen steht traditionell für Metallverarbeitung, die Eiche findet sich im Stadtwappen wieder.

Altar

Auf der Oberfläche des Altars sind an fester Stelle eingelassen: die drei Kerzenleuchter, Vase, Altarkreuz und das Pult für die Altarbibel. In das Pult sind die griechischen Buchstaben Alpha und Omega eingraviert – sie symbolisieren den Bezug der Heiligen Schrift zu Jesus Christus.

Ambo, Osterkerze, Kreuz

Das Lesepult mit seiner schlichten Gestaltung verbindet wieder die beiden Materialien Metall und Eiche. Sowohl die Osterkerze als auch das Kreuz sind aus massiven patinierten Messingplatten geometrisch gestaltet. An einigen Schnittflächen wird die Patinierung so ausgespart, dass der edle goldfarbene Glanz des Metalls sichtbar wird.

Alle Prinzipalstücke wurden nach exakten Plänen von uns in der Schmiede der Abtei Königsmünster in Meschede von Pater Abraham und seinen Mitarbeitern gefertigt.

Altar und Ambo werden im Verlauf des liturgischen Jahres mit Antependien in den Farben Grün, Violett, Rot und Weiß geschmückt. Die Handweberei der Abtei Königsmünster übernahm auch die Fertigung der Altarbehänge in unterschiedlichen Farbverläufen. Die Töne wurden auf die Grundmaterialien der Prinzipalstücke abgestimmt.

Hinführung

Die neuen Prinzipalstücke

„Es ist der Idealfall, wenn der Architekt nicht nur das Gebäude, sondern auch die Innenausstattung gestalten darf“, sagen Raoul Zamel und Lars Krug, die Architekten der Baumaßnahme rund um die Johanniskirche im Zusammenhang der neuen Prinzipalstücke.

„Es ist ein Glücksfall und fügt sich – wie so vieles im Rahmen der Baumaßnahmen sich glücklich gefügt hat – wenn die Architekten das Ganze im Blick haben und verstehen, worum es in einem solchen Gebäude geht“, sagen wir tief beeindruckt und voll Dankbarkeit.

Denn dieser Glücksfall ist hier eingetreten. Er verbirgt sich hinter den vielen Menschen, die hier gewirkt haben, und den richtigen Entscheidungen, die wir mit Ihrer Hilfe getroffen haben. Und: Er wird hier im Zentrum der Kirche – am Altar, Ambo, Kreuz und Kerzenständer für die Osterkerze – sichtbar.

Raoul Zamel und Lars Krug haben uns weit über ein Jahr lang kennen gelernt und sehr klar herausgehört und umgesetzt, worum es hier in der Johanniskirche geht:
Um Nähe und Würde.
Um Konzentration auf das Wesentliche und Raum für den Geist.
Um die befreiende Botschaft voll Leichtigkeit in unserem oft überladenen und schweren Alltag.
Um Klarheit.

Die Entwürfe von Raoul Zamel wurden mit viel Sachverstand und liebevoller Begleitung in der Schmiede und Weberei der Abtei Königsmünster unter der Leitung von Pater Abraham verwirklicht. Die neuen Prinzipalstücke stehen im Zentrum unseres Gottesdienstes. Sie zeigen: Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten (EG 165)

Das Kreuz                                           

Das Kreuz ist das zentrale Zeichen unseres Glaubens.
Jesu unbegreifliches Sterben und die Überwindung des Todes in Christus sind mit dem Kreuz verbunden.
Patiniertes Messing und die schwere Verankerung im Boden verdeutlichen die Erdverbundenheit. Durch den leicht durchschimmernden Glanz des Metalls und die Aussparungen in Bodennähe zeigt es gleichsam Leichtigkeit und weist in Gottes Ewigkeit.
Das Kreuz ist unser Segenszeichen und verbindet Himmel und Erde miteinander.

Gebet             

Gott, wir stehen unter deinem Kreuz.
Es ist uns Himmelsleiter und Anfechtung zugleich.
Befreie uns von den Eitelkeiten, die zu Macht, Streit und Krieg führen und stärke unseren Glauben in die befreiende Botschaft des Evangeliums.
Halte uns bei dem einen, das zählt:
Dein Trost im Leben und im Sterben.
Dir vertrauen wir heute und an allen Tagen.
Amen.

Das Ambo                                                      

Das Ambo ist unser Lesepult.
Von hier hören wir die Lesungen für den Gottesdienst:
Das Evangelium und die anderen Texte aus der Bibel.
Von hier verkünden wir, was uns in der Gemeinde beschäftigt und was wir uns als Gemeinde mitteilen wollen.
Wir haben das Ambo weiter nach vorn geholt – in die Gemeinde hinein. Weil das Wort aus uns heraus erklingt und mitten unter uns wirkt.
Der Glanz des Messings ist nur zu sehen, wenn wir genau und konzentriert hinsehen. Präzision und Klarheit verbinden sich mit dem Wort Gottes.

Gebet                                                                         

Gott,
du suchst uns mit deinem Wort, wir wollen uns von dir finden lassen.
Du hüllst uns ein in deinen Trost,
wir wollen uns bei dir fallen lassen.
Du sprichst uns deine Liebe zu, wir wollen uns von dir stärken lassen.
Du weist uns zurecht, wir wollen uns von dir ändern lassen.
Rede, Gott, wir wollen hören.
Amen.

 

Der Leuchter                                                  

Der Leuchter für die Osterkerze steht in der Nähe des Taufbeckens. Das Licht der Kerze zeigt uns den Weg im Glauben und im Leben.
Die Kerze steht fest im Leuchter; der Leuchter steht stabil auf der Erde.
Und doch wirkt er leicht.
Die Aussparungen und die glänzenden Innenkanten des Messings geben dem Licht etwas Schwebendes.
Von oben betrachtet ist ein Kreuz zu erkennen in dessen Mitte das Licht des Lebens leuchtet.

Gebet                                                                         

Gott, du bist Schöpfer des Lebens und Herr über den Tod.
Leuchte auf unserem Weg, damit wir nicht wandeln in der Finsternis. Halt uns in deiner Hand im Leben und im Sterben.
Du rufst und bei unserem Namen – wir gehören dir.
Heute und in Ewigkeit.

 

Der Altar                                                                    

Der Altar steht in der Mitte des Raumes.
Er ist in der Konzeption des Gottesdienstraumes nach vorn gerückt. Die Gemeinde versammelt sich darum herum. Unser Lebensgespräch mit Gott hat hier seinen Ort.
Der Altar erinnert an einen Tisch. Er erinnert an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Hier werden wir gestärkt im Glauben und in unsere Gemeinschaft.
Klarheit und Leichtigkeit geben Raum für den Geist.
Der Altar ist – wie alle neuen Prinzipalstücke – aus patiniertem Messing gearbeitet.
Der Glanz des Metalls, seine Wertigkeit, ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Darauf ist eine Tischplatte aus Eichenholz gearbeitet. Sie nimmt die Verbindung der ältesten Kirche Hagens zur Stadt auf. Die Eiche ist das Symbol im Wappen der Stadt.
Die Altargaben, Kerzenständer, Vase, Altarkreuz und Buchhalter, haben auf dem Altar einen definierten Ort – sie sind präzise und symmetrisch ausgerichtet. Alpha und Omega auf der Buchstütze zeigen: Hier verbinden sich Anfang und Ende, Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit miteinander.

Gebet 

Gott, du bist unsere Stärke für und für.
In dir sind wir frei – in dir sind wir geborgen.
Erhalte uns bei deinem Wort.
Stärke uns durch das Brot des Lebens und den Kelch des Heils.
Und sei stets bei uns und in uns mit deinem Segen.
Durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft in Ewigkeit.
Amen.

Galerie

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